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Biberwissen

Alles über den Biber

Ich heiße Boddenbiber, bin aber nur aus Farbe. Hier erfährst du, wie echte Biber leben.

Der Biber in Zahlen

30Kilogrammschwerer als ein Reh
20Minutenkann er tauchen
1,30Meterlang, mit Kelle
4Zähnewachsen lebenslang nach
2KilometerUfer braucht eine Familie

Auf einen Blick

Steckbrief

Körper und Merkmale

  • Bis 1,30 Meter lang, davon rund 40 Zentimeter Kelle
  • Bis 30 Kilogramm schwer, damit schwerer als ein Reh
  • Vier Nagezähne, die ständig nachwachsen und sich selbst schärfen
  • Dichtes Fell, das kein Wasser durchlässt
  • Schwimmhäute an den Hinterfüßen
  • Ohren und Nase kann er verschließen, über den Augen liegt eine durchsichtige Haut
  • Tauchen bis zu zwanzig Minuten

Was er frisst

  • Ausschließlich Pflanzen, niemals Fische
  • Im Sommer Kräuter, Gräser und Wasserpflanzen
  • Im Winter Rinde und Zweige von Weiden und Pappeln
  • Zwei bis drei Kilogramm am Tag

Familie

  • Biber bleiben ein Leben lang beim selben Partner
  • Mit zweieinhalb bis vier Jahren bekommen sie eigene Junge
  • Zwei bis vier Junge zwischen April und Juni
  • Die Jungen bleiben zwei Jahre bei den Eltern, dann ziehen sie aus

Wo er wohnt

  • An Flüssen, Bächen, Gräben und Teichen
  • Ein Revier braucht etwa zwei Kilometer Uferlänge
  • Dort lebt immer nur eine Familie
  • Vom Wasser entfernt er sich selten weiter als zwanzig Meter

Alter und Gefahren

  • Im Schnitt zehn Jahre, in Ausnahmen bis zu fünfundzwanzig
  • Häufigste Todesursache ist der Straßenverkehr
  • Gefährlich sind außerdem Hochwasser für Jungtiere und Fischreusen

Schutz

  • Nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng und besonders geschützt
  • In Europa streng geschützte Art nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
  • In Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Liste

Einordnung

  • Europäischer Biber, wissenschaftlich Castor fiber
  • Klasse Säugetiere, Ordnung Nagetiere, Familie Biber
  • Größtes Nagetier Europas, weltweit nur das Wasserschwein ist größer

Wer ist wer

Biber, Nutria, Bisam oder Otter?

Am Bodden schwimmen vier Tiere herum, die sich ähneln. So erkennst du den Unterschied.

Biber Nutria Bisam Fischotter
Körperlänge bis 90 cm bis 65 cm bis 35 cm bis 90 cm
Schwanz flach und breit, beschuppt rund, kaum behaart schmal, seitlich flach rund und behaart
Gewicht bis 30 kg bis 10 kg bis 2,3 kg bis 12 kg
Tasthaare dunkelbraun weiß schwarz weiß
Schwimmhäute nur hinten nur hinten keine vorn und hinten
Nahrung nur Pflanzen fast nur Pflanzen meist Pflanzen Fische und Krebse
Herkunft Europa Südamerika Nordamerika Europa

Der sicherste Blick ist der auf den Schwanz: Nur der Biber hat ihn flach und breit wie ein Paddel.

Wissen über den Biber

Der Baumeister

Kein anderes Tier bei uns verändert seine Umgebung so stark wie der Biber. Er fällt Bäume, baut Dämme quer durch Bäche und staut damit das Wasser auf. Das macht er nicht zum Spaß: Er braucht Wasser, das tief genug ist, damit der Eingang zu seiner Burg immer unter der Oberfläche liegt. So kommt kein Fuchs hinein.

Die Burg selbst ist ein Haufen aus Ästen und Schlamm. Innen liegt ein trockener Kessel über dem Wasserspiegel. Dort schläft die Familie und dort kommen im Frühjahr die Jungen zur Welt.

Querschnitt durch eine Biberburg Links staut ein Damm aus Ästen das Wasser auf. Rechts steht die Burg im flachen Wasser. Vom Wohnkessel über dem Wasserspiegel führt ein Gang nach unten, der unter Wasser mündet. DAMM WOHNKESSEL EINGANG UNTER WASSER WASSERSPIEGEL GRUND
So ist eine Biberburg aufgebaut. Der Damm hebt den Wasserstand so weit an, dass der Eingang immer unter Wasser bleibt.

Werkzeug im Gesicht

Die vier großen Schneidezähne des Bibers wachsen sein Leben lang nach. Sie sind vorne orange, weil dort besonders harter Zahnschmelz sitzt. Hinten sind sie weicher und schleifen sich schneller ab. Dadurch bleibt der Zahn immer scharf wie ein Meißel.

Der breite, flache Schwanz heißt Kelle. Der Biber steuert damit im Wasser, stützt sich beim Nagen darauf ab und speichert dort Fett für den Winter. Bei Gefahr klatscht er die Kelle laut auf das Wasser. Das hören alle in der Nähe.

Warum der Biber nützlich ist

Wo ein Biber staut, entsteht ein kleines Feuchtgebiet. Dort leben plötzlich Libellen, Frösche, Fische und viele Vögel, die es vorher nicht gab. Fachleute nennen ihn deshalb einen Landschaftsgestalter.

Seine Dämme halten Wasser in der Landschaft zurück. Bei starkem Regen fließt das Wasser langsamer ab, bei Trockenheit bleibt länger etwas übrig. Beides hilft, gerade wenn die Sommer heißer werden.

Fast ausgerottet

Vor rund zweihundert Jahren war der Biber in Deutschland fast verschwunden. Menschen jagten ihn wegen des dichten Fells, wegen des Fleisches und wegen eines Drüsensekrets, das man für Medizin hielt. In Bayern überlebte nur ein kleiner Rest an der Elbe.

Seit der Biber geschützt ist und an vielen Stellen wieder ausgewildert wurde, breitet er sich langsam aus. Heute lebt er auch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern wieder, zum Beispiel an Peene, Trebel und Recknitz.

Streng geschützt

Der Biber gehört zu den streng geschützten Arten. Man darf ihn nicht fangen, nicht töten und nicht absichtlich stören. Auch seine Burg und seine Dämme stehen unter Schutz. Wer dort etwas verändern will, braucht eine Genehmigung von der Naturschutzbehörde.

Wenn ein Biber irgendwo Ärger macht, etwa weil sein Damm einen Weg überflutet, gibt es Fachleute, die vermitteln. Sie heißen Biberberater und suchen eine Lösung, bei der Mensch und Tier bleiben können.

Spuren finden

Einen Biber zu sehen ist Glückssache, denn er ist vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Seine Spuren findet man aber leicht.

Achte auf Baumstümpfe, die aussehen wie ein angespitzter Bleistift. Auf Rutschen im Uferhang, wo er ins Wasser gleitet. Auf abgenagte Zweige mit hellen Bissspuren. Und auf Haufen aus Ästen im flachen Wasser.

Wichtig: Bleib am Ufer, geh nicht an die Burg heran und lass deinen Hund an der Leine. Der Biber soll in Ruhe wohnen können.

Nachgefragt

Das wollen viele wissen

Ist der Biber mit der Ratte verwandt?

Beide sind Nagetiere, aber nur entfernt verwandt. Der Biber ist das größte Nagetier Europas, weltweit ist nur das Wasserschwein größer.

Frisst der Biber Fische?

Nein, nie. Der Biber ist reiner Pflanzenfresser. Er frisst Rinde, Zweige, Kräuter und Wasserpflanzen. Fische lässt er in Ruhe, sie profitieren sogar von seinen Stauteichen.

Hält der Biber Winterschlaf?

Nein. Er ist auch im Winter aktiv, bleibt aber näher an der Burg. Im Herbst sammelt er Zweige unter Wasser, damit er bei Eis etwas zu fressen hat.

Kann es zu viele Biber geben?

Nein. Biber verteidigen ihr Revier gegeneinander. Auf einem Gewässerabschnitt lebt immer nur eine Familie. Die Jungtiere müssen mit zwei Jahren ausziehen und sich ein eigenes Revier suchen.

Was mache ich, wenn ich einen Biber sehe?

Ruhig stehen bleiben und schauen. Nicht füttern, nicht anfassen, nicht hinterherlaufen. Wenn das Tier verletzt wirkt, sagst du einem Erwachsenen Bescheid, der die Naturschutzbehörde anruft.

Zum Weiterlesen: Der BUND Naturschutz erklärt auf bund-naturschutz.de ausführlich, wie Biber leben und wie das Zusammenleben mit ihnen gelingt.

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